21.04.2026

DIE ZUKUNFT BAUEN UND DABEI DIE UMWELT SCHONEN: INTERVIEW MIT MONIKA SOCK UND UGO BACCHIEGA

Dank des BBT können Tausende Tonnen Güter von der Straße auf die Schiene verlagert werden, und für viele eröffnen sich neue Studien- und Arbeitsmöglichkeiten jenseits der Alpen. Doch das Projekt BBT ist bereits heute nachhaltig: Darüber sprechen wir mit Ugo Bacchiega und Monika Sock, Mitgliedern unseres Umweltingenieurteams.

Monika, fangen wir auf der Nordseite an. Deine Abteilung ist für die Gewässerschutzanlagen und für die gewässerökologischen Ausgleichsmaßnahmen zuständig. Was ist bisher in Österreich umgesetzt und inwiefern haben die Maßnahmen gewirkt?
Gewässerschutzanlagen sind auf jeder BBT-Baustelle im Einsatz und werden von einem verantwortlichem Gewässerschutzbeauftragten betreut. In den Gewässerschutzanlagen werden alle anfallenden Bauwässer gesammelt, gereinigt und nach eingehender Prüfung in den Vorfluter eingeleitet. Zur Vorsicht sind bei allen Anlagen noch zusätzliche Notfallbecken installiert, die bei Bedarf, zum Beispiel bei großem Wasseranfall, noch Kapazitäten aufnehmen können. 
Alle Reinigungsschritte werden dokumentiert und digital übertragen. Damit wird sichergestellt, dass die Umweltvorschriften eingehalten werden und die Umwelt geschützt wird. 
Von den insgesamt 6 gewässerökologischen Ausgleichsmaßnahmen sind 5 bereits umgesetzt. Im Bereich Innsbruck Stadt wurden an der Sill das Tivoli Wehr fischpassierbar umgebaut und das Aga Wehr durch eine 250m lange pendelnde Tiefenrinne, die den Aufstieg der Fische ermöglicht, ersetzt. Dadurch wurde es nach mehreren 100 Jahren erstmals wieder möglich, dass Fische vom Inn bis weit in die Sillschlucht zum Mündungsbereich der Ruetz wandern können.
Diese Wanderungen sind entscheidend für den Lebenszyklus vieler Fischarten und tragen zur Erhaltung der Artenvielfalt in unseren Gewässern bei.

Kommen wir nun nach Italien. Ugo, einer der neuralgischen Punkte ist die Eisackunterquerung: Welche Renaturierungsmaßnahmen sind für dieses sensible Gebiet vorgesehen?
Das Renaturierungsprojekt zielte darauf ab, eine möglichst naturnahe Umgebung wiederherzustellen, um die Erholung des Ökosystems und die Ansiedlung lokaler Arten zu fördern. Zur Gestaltung eines authentischen Lebensraums und zur Förderung der Faunendiversität wurden Elemente wie kleine Waldinseln sowie Holz- und Steinhaufen integriert.
Entlang des Eisacks wurden die ehemaligen Baustellenbereiche mit ufertypischer Vegetation aufgeforstet, um einen lückenlosen Übergang zu den angrenzenden Wäldern und Naturräumen zu schaffen. Auch die Böschungen der neuen Verkehrswege wurden mit standortgerechten Sträuchern bepflanzt, um sie harmonisch in das Landschaftsbild einzufügen. Die Maßnahmen am Flussufer konzentrierten sich auf die Schaffung artenreicher und vielfältiger Vegetationsgürtel.
Die landwirtschaftlichen Flächen wurden – bis auf einige Bereiche in unmittelbarer Nähe der dauerhaften Bauwerke – wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. An den Böschungen wurde die Entwicklung von Mischwäldern gefördert, wobei vor allem Fichten und Tannen sowie verschiedene Laubbaumarten für eine strukturierte Vielfalt sorgen.
Im Bereich der Eisackunterquerung sieht das Projekt Neupflanzungen vor, die sich an lokalen Waldgesellschaften orientieren. Insgesamt kamen sechzehn verschiedene Vegetationsmodelle zum Einsatz, die sich in ihrer Zusammensetzung und Anordnung unterscheiden. Ziel ist eine abwechslungsreiche Landschaft und die Stärkung des Biotopverbunds, was insbesondere entlang des Flusslaufs von entscheidender Bedeutung ist.
Die wesentlichen Maßnahmen umfassen Aufforstungen, Strauchpflanzungen, Wiesenflächen, Gebüsche, kleine Waldstücke sowie landwirtschaftliche Rekultivierungen. Die Auswahl der Arten erfolgt dabei spezifisch nach den ökologischen Merkmalen der jeweiligen Teilbereiche.

Monika, du bist unter anderem Ansprechpartner der Beschwerdestelle für Anrainer: Wie wird die Beziehung zu den Anrainern entlang des Projektgebietes aufgebaut?
Schon seit den Anfangsjahren des BBT, seit mehr als 20 Jahren, werden in regelmäßigen Abständen in jeder Standortgemeinde Informationsabende oder auch Informationsnachmittage durchgeführt. Die Themen, die dort diskutiert wurden und werden, sind vielfältig und reichen von der Auswahl der Deponien bis zur Vorgangsweise bei der Durchführung der Gebäudebeweissicherung.
 Je nach Thematik werden die Anrainer gezielt eingeladen, was zur Folge hat, dass auch kleinere Veranstaltungen stattfinden, die ein persönliches Kennenlernen ermöglichen, wie zum Beispiel der Anrainersprechtag, der in allen betroffenen Gemeinden stattfand. 
Bis die BBT-Tunnelwelten in Steinach fertig gestellt wurden, haben wir auch ein Informationszentrum am Bahnhof Innsbruck betrieben, wo ich jeden Montagnachmittag anwesend war. Natürlich war ich in den vergangenen 22 Jahren durch meine planerische Tätigkeit auch viel im Projektgebiet unterwegs und habe so, sozusagen direkt vor Ort, viele Anrainer kennengelernt. 
Über die Jahre sind so viele hunderte Kontakte zustande gekommen und es werden laufend mehr. Es ist nicht immer einfach, die Bedenken und Beschwerden für alle zufriedenstellend zu lösen, aber meine Kollegen und ich bemühen uns sehr und dieses Bemühen wird von den meisten Anrainern auch anerkannt und geschätzt.

Und wie sieht es auf italienischer Seite aus? Was sind dort die wichtigsten Ausgleichsmaßnahmen für das Projektgebiet?
Ausgleichsmaßnahmen dienen dazu, die Auswirkungen des Bauwerks auszugleichen, die auf andere Weise nicht vermieden werden können. Aus diesem Grund wurde für das gesamte Projektgebiet ein Maßnahmenprogramm festgelegt. Dieses ist darauf ausgerichtet, sowohl die vorübergehenden Auswirkungen während der Bauphase als auch die dauerhaften Folgen – wie die Flächenbeanspruchung durch Portale und Zufahrtsstraßen – zu kompensieren.
Die Verteilung der Maßnahmen stellt ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Region und der Notwendigkeit des ökologischen Ausgleichs dar.
Die wichtigsten auf italienischer Seite vorgesehenen Maßnahmen sind:
•    Sanierung und Renaturierung von Wasserläufen im Projektgebiet;
•    Wiederherstellung bedeutender ökologischer Strukturen (Trockenmauern, Biotope, Bergseen);
•    Bau von Lehrpfaden;
•    Verbesserung der Infrastruktur zur Wasserverteilung (Trinkwasserleitungen, Bewässerungsbecken);
•    Zusätzliche ökologische Ausgleichsflächen (nach qualitativen und quantitativen Kriterien);
•    Lärmschutzmaßnahmen und funktionale Eingriffe entlang der bestehenden Bahnstrecke (Bau von Lärmschutzwänden und Tieferlegungen der Bahntrasse);
•    Ökologische Maßnahmen im Umfeld der oberirdischen Bauwerke;
•    Projekte zur Schaffung von Parks, Biotopen, Schutzgebieten usw.;
•    Entwicklung von Landschaftspflegeplänen;
•    Maßnahmen in den an die Baustellen angrenzenden Ortszentren, wie etwa: Bau von Wertstoffhöfen für die getrennte Abfallsammlung, Optimierung der öffentlichen Beleuchtung zur Energieeinsparung, Verbesserung der Wasser- und Verkehrsnetze sowie Bau eines Biomasseheizkraftwerks für die Fernwärme.

Wenn wir Bilanz ziehen, wie wirkt sich der BBT heute und in Zukunft tatsächlich auf das Projektgebiet aus?
Der Brenner Basistunnel ist Teil der Verkehrs- und Umweltziele der Europäischen Union und zählt zu den vorrangigen Vorhaben im Alpenraum. Seine wesentlichen ökologischen Vorteile liegen in der Reduzierung des Straßengüterverkehrs, des Lärms und der Schadstoffemissionen, was sich zudem positiv auf den CO₂-Ausstoß und das Klima auswirkt.
Das Umweltmanagement ist ein grundlegendes Element bei der Umsetzung eines Bauwerks dieser Größenordnung, vor allem um die Nachhaltigkeit der Arbeiten zu gewährleisten. Präzise Analysen, eine solide Planung, eine sorgfältige Projektierung, eine kompetente Ausführung sowie die Zusammenarbeit aller Beteiligten – wie Bauherren, Behörden und Unternehmen – ermöglichen die Schaffung eines vorbildlichen Prozesses.
Dieser Ansatz erlaubt es, die Ziele des Bauwerks zu erreichen und gleichzeitig zur nachhaltigen Entwicklung des Alpenraums sowie zur Verbesserung des europäischen Infrastrukturnetzes beizutragen, in dem der Brenner Basistunnel ein zentrales Element darstellt.

BRENNER BASISTUNNEL
BBT SE _ BBT SE _ BBT SE _
EIN PROJEKT, DAS VERBINDET
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BRENNER BASISTUNNEL
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EIN PROJEKT, DAS VERBINDET
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