Österreich und Italien wachsen beim Eisenbahnprojekt Brenner Basistunnel zusammen. Meilenstein: Beide Haupttunnelröhren unter der Staatsgrenze am Brenner zeitgleich durchschlagen.
Brenner Basistunnel: Nur noch wenig Gestein trennt die beiden Staaten Italien und Österreich tief unter den Alpen: Nach vielen Jahren intensiver Arbeit richtet sich nun der Blick der Mineure auf die Felswände.
Nahezu zeitgleich setzen die Meißelbagger in der westlichen und östlichen Haupttunnelröhre des Bauloses H53 Pfons-Brenner, zum entscheidenden Abtrag an.
Wenig später fällt in beiden Röhren der letzte Fels, Staub steigt auf, Licht dringt durch die neu entstandenen Öffnungen – und in diesem Moment wird beim Brenner Basistunnel Tunnelbaugeschichte geschrieben.
Die letzten Zentimeter – der Augenblick, auf den alle hingearbeitet haben
Es ist geschafft: Exakt um 10:35 Uhr wurde der historische Durchschlag vollendet. Nur Augenblicke später und unter Jubel, betreten die Mineure und TechnikerInnen den Tunnelabschnitt auf der anderen Seite der Brennergrenze und reichen ihren italienischen Kolleginnen und Kollegen die Hand.
Mit dem Durchschlag schloss der österreichische Vortrieb aus dem Baulos H53 Pfons–Brenner an die bereits fertiggestellten Haupttunnelröhren des italienischen Bauloses H61 Mauls 2–3 an.
Rund 1.400 Meter unter dem Brennerpass entstand damit eine durchgehende Verbindung zwischen den beiden Staaten.
Die Staatsgrenze tief unter dem Brennerpass ist somit überwunden – Österreich und Italien sind nun auch durch die beiden Eisenbahntunnel des Brenner Basistunnels dauerhaft zusammengeschlossen.
Der Moment, in dem zwei Baustellen eins werden
Mit diesem bedeutenden Ereignis sind nicht nur zwei Tunnelabschnitte nun fertig gestellt, sondern es begegnen sich auch zwei Baustellen, die mehrere Jahre unabhängig voneinander vorangetrieben wurden: Das österreichische Baulos H53 Pfons–Brenner und das italienische Baulos H61 Mauls 2–3.
Zwei unterschiedliche Tunnelbaumethoden wurden dafür angewendet. Auf italienischer Seite trieben die Tunnelbohrmaschinen Virginia und Flavia die beiden Haupttunnelröhren maschinell bis zur Staatsgrenze vor.
Auf österreichischer Seite erfolgte der Vortrieb konventionell im bergmännischen Sprengvortrieb. Der heutige Durchschlag verbindet damit nicht nur zwei Länder und zwei Baustellen, sondern auch zwei bewährte Methoden des modernen Tunnelbaus.
Dieses bedeutende Kapitel markiert daher weit mehr als einen bautechnischen Erfolg. Er steht für die enge Zusammenarbeit zweier Staaten, Ingenieurskunst und für den unermüdlichen Einsatz aller Projektbeteiligten, die diese Eisenbahnanlage mit Kompetenz und Leidenschaft verwirklichen.
Für die Vorstände der BBT SE, Martin Gradnitzer und Umberto Lebruto zählt der heutige Tag, daher zu einem der wichtigsten Meilensteine in der Projektgeschichte des Brenner Basistunnels: „Mit der Zusammenführung der beiden Haupttunnelröhren erreicht der BBT ein weiteres, wichtiges Etappenziel. Künftig werden hier die Güter- und Personenzüge zwischen Österreich und Italien verkehren. Dieser Erfolg zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn über Grenzen hinweg an einer gemeinsamen Aufgabe gearbeitet wird. Das Projekt trägt viele Namen, aber vor allem steht die Handschrift der Menschen, die ihn Tag für Tag gebaut haben.“
Präzision als Schlüssel zum Erfolg
Dieses außergewöhnliche Ereignis im Tunnelbau wäre ohne höchste vermessungstechnische Präzision nicht möglich gewesen. Der Erkundungsstollen wurde von den Zufahrtstunneln Wolf und Mauls aus mit modernster Messtechnik vorgetrieben. Beim Durchschlag im September 2025 lag die Abweichung im einstelligen Zentimeterbereich. Diese exakten Vermessungsdaten bildeten die Grundlage für den Vortrieb der Haupttunnelröhren.
Erfolg gehört den Menschen im Tunnelbau
Die eigentlichen Hauptdarsteller dieses historischen Tages tragen keine Anzüge. Es sind die Mineure, Poliere, Sprengmeister, Maschinisten, Elektriker, Vermesser, Geologinnen und Geologen, Sicherheitsfachkräfte sowie Ingenieurinnen und Ingenieure.
Menschen, die über viele Jahre Tag für Tag, Schicht für Schicht und Meter für Meter unter anspruchsvollsten Bedingungen unter dem Gebirge gearbeitet haben.
Michael Knapp, Projektleiter des Bauloses H53 Pfons-Brenner: „Tunnelbau bedeutet, jeden Tag aufs Neue mit Herausforderungen zu arbeiten. Das Gebirge hat uns in diesem Baulos immer wieder gefordert und vor unerwartete Aufgaben gestellt. Mein besonderer Dank gilt unserem gesamten Team, der bauausführenden ARGE H53 (PORR und Marti) und der örtlichen Bauaufsicht für ihren großen Einsatz.“
Alessandro Marottoli, Projektleiter des Bauloses H61 Mauls: „Wir erleben heute einen weiteren historischen Tag für das BBT-Projekt. Zu wissen, dass ab heute drei Tunnel Österreich und Italien durch den Brenner Basistunnel verbinden, erfüllt das gesamte BBT-Team mit großem Stolz – ein Team, das auf beiden Seiten der Grenze unermüdlich an einem gemeinsamen Ziel arbeitet. Ein Dank gilt auch der Arbeitsgemeinschaft BTC (Webuild, Ghella, Cogeis und PAC), mit der wir die Vortriebsarbeiten auf italienischer Seite bis zum Brenner durchgeführt haben.“
Mit dem heutigen Durchschlag richtet sich der Blick bereits auf den nächsten großen Bauabschnitt. In den kommenden Wochen und Monaten konzentrieren sich die Arbeiten auf die beiden letzten Tunnelbohrmaschinen, die die Haupttunnelröhren in Richtung Innsbruck vorantreiben.
Mit Abschluss dieser Vortriebe werden die gesamten Röhren der Eisenbahntunnel durchgehend hergestellt sein.