28.04.2026

SICHERHEIT AN ERSTER STELLE: WELCHE SICHERHEITSMAßNAHMEN WERDEN AUF DEN BAUSTELLEN DES BRENNER BASISTUNNELS UMGESETZT?

Bei einem so großen Infrastrukturprojekt wie dem Brenner Basistunnel ist es unerlässlich, die Arbeitssicherheit über und unter Tage jederzeit zu gewährleisten. Am 28. April ist der von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ins Leben gerufene "Welttag für Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz". Ziel ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung der Vorbeugung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten zu sensibilisieren. Genau über diese Themen möchten wir mit Marco Loffredo sprechen. Er ist der Bauleiter des Bauloses Mauls, dem größten Baulos des Projekts BBT.

 

Marco, welche Sicherheitsmaßnahmen werden auf den italienischen Baustellen des BBT ergriffen, um den Arbeitnehmerschutz und die Unfallverhütung zu gewährleisten?

Der Einheitstext zur Arbeitssicherheit (G.v.D. Nr. 81/2008) ist die wichtigste Grundlage für die Sicherheit auf der Baustelle und fließt in den Sicherheits- und Koordinierungsplan (SKP) ein. Jedes Unternehmen muss einen Einsatzsicherheitsplan (ESP) vorlegen, der in Einklang mit dem SKP erstellt wird und Einzelheiten zu Personal, Ausrüstung und Zertifizierungen enthält. Der Sicherheitskoordinator in der Ausführungsphase (SKA) genehmigt den ESP und organisiert wöchentliche Koordinationssitzungen mit den jeweils beteiligten Unternehmen. Ziel ist es, die verschiedenen Arbeiten zu planen, Konflikte zu vermeiden und die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zu gewährleisten. Die Sicherheit wird durch stete Schulungen, regelmäßige Kontrollen und ständige Überprüfungen gewährleistet. Der SKP sieht Maßnahmen wie aktiven Brandschutz, Rettungsfahrzeuge, regelmäßige Übungen und eine fixe Notfalleinrichtung mit Krankenwagen und Rettungskräften vor.

 

Wie trägt die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Einrichtungen und Verbänden dazu bei, die Sicherheitsstandards auf den Tunnelbaustellen zu erhöhen?

Ein kooperativer Ansatz, der die Prävention in den Mittelpunkt stellt und alle Beteiligten einbezieht, gewährleistet die Sicherheit auf der Baustelle. Die Koordination zwischen den Unternehmen und den Einsatzkräften erfolgt durch wöchentliche Koordinationssitzungen sowie halbjährliche Treffen mit den Feuerwehren der Autonomen Provinz Bozen (FW APB). In diesen Sitzungen werden die Notfallorganisationen über die Entwicklungen auf der Baustelle informiert, kritische Punkte bestimmt und die Sicherheitsmaßnahmen optimiert.

Darüber hinaus führen die Notfalleinrichtungen regelmäßige Inspektionen durch, um den Zustand der Baustelle zu überwachen und mögliche Notfälle frühzeitig zu erkennen. Dieser stete Dialog hat zu erheblichen Verbesserungen: So wurde beispielsweise das TETRA-System eingeführt, ein eigenes Funknetz der Feuerwehr. Außerdem wurde ein zentraler Notfallkoordinator (ZNK) für den 24-Stunden-Einsatz ernannt und eine einheitliche Notrufzentrale eingerichtet. Dieser dynamische Ansatz stellt sicher, dass die Sicherheit stets aktuell ist und den Anforderungen der jeweiligen Baustelle entspricht.

 

Welche Technologien und Innovationen kommen zum Einsatz, um die Risiken, die mit dem Bau einer derart komplexen Infrastruktur verbunden sind, zu überwachen und zu verringern?

Technologie spielt eine entscheidende Rolle für die Sicherheit auf der Baustelle, wobei verschiedene innovative Lösungen zur Risikominderung beitragen. So erfasst das Faserlaser-System, ein temperaturabhängiges Glasfaserkabel, Temperaturschwankungen in Tunneln in Echtzeit und ermöglicht so die Brandverhütung. Elektrische Rettungszüge sind für den Einsatz während des maschinellen Vortriebs ausgelegt, auch bei starker Rauchentwicklung, bei der Verbrennungsmotoren ausfallen könnten. Die Videoüberwachung, die in allen Tunneln aktiv ist, gewährleistet eine stetige Überwachung der Arbeitsbereiche. Das TAG-System ermöglicht eine Echtzeit-Ortung des Personals innerhalb der Tunnel.

Die Fortbildung des Personals wird durch einen 3D-Simulator mit Augmented Reality unterstützt. Dadurch verbessert sich die Vorbereitung auf Notfallsituationen. Die in den Tunneln installierten GSM-Antennen gewährleisten eine lückenlose Mobilfunkabdeckung und somit eine ununterbrochene Kommunikation. Mithilfe dieser Technologien lassen sich Risiken vermeiden und Rettungsmaßnahmen optimieren.

 

Wir danken Marco für die Zusammenfassung der strengen Sicherheitsmaßnahmen, die die Projektgesellschaft Brenner Basistunnel BBT SE zum Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf ihren Baustellen ergriffen hat. Dank der hervorragenden Zusammenarbeit zwischen der Projektgesellschaft, dem ausführenden Unternehmen und den Gebietskörperschaften kann auf der Baustelle ein sicheres Arbeitsumfeld inklusive Notfallprävention und -management gewährleistet werden.

Luftaufnahme des Bauloses „H61 Mules 2-3“ und der Deponie Genauen
Herstellung der Innenschale im Haupttunnel Ost, Baulos „H61 Mules 2-3“
BRENNER BASISTUNNEL
BBT SE _ BBT SE _ BBT SE _
EIN PROJEKT, DAS VERBINDET
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EIN PROJEKT, DAS VERBINDET
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