Sicherheit ist beim Brenner Basistunnel kein statisches Konzept, sondern ein täglicher Prozess der Zusammenarbeit zwischen zwei Nationen. Um die Dynamik auf den österreichischen Baustellen besser zu verstehen, haben wir mit Andreas Töchterle gesprochen. Als Leiter der Abteilung Sicherheit in Österreich erklärt er uns, wie die Harmonisierung der Standards zwischen Italien und Österreich in der Praxis funktioniert und welche Rolle die Unternehmen dabei spielen.
Wie werden die österreichischen Arbeitsschutzbestimmungen koordiniert, um auf den Baustellen des BBT ein einheitliches Vorgehen zu gewährleisten?
Von grundlegender Bedeutung sind dabei die baustellenspezifischen Sicherheits- und Gesundheitsschutzpläne (SiGe-Pläne), für deren Erstellung der Bauherr zu sorgen hat. Die SiGe-Pläne legen fest, wie die Koordinierung zwischen den verschiedenen Gewerken erfolgt und welche Schutzmaßnahmen bei für mit Gefahren verbundene Arbeiten umzusetzen sind. Zudem sind diese Pläne Teil der Bauverträge und auf den großen BBT-Baustellen in Österreich unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten weitgehend harmonisiert. Die Einhaltung der spezifischen SiGe-Pläne wird von den jeweiligen Baustellenkoordinatoren überwacht. Zusätzlich setzt die BBT SE eigenes Personal in Form des „Safety Support Teams“ ein. Dieses überprüft baulosübergreifend die Einhaltung aller sicherheitsrelevanten Regelungen durch tägliche Kontrollen auf den Baustellen.
Welche Rolle spielen die am Projekt beteiligten österreichischen Firmen bei der Gewährleistung hoher Sicherheits- und Ausbildungsstandards für die Arbeitskräfte?
Gemäß den gesetzlichen Vorgaben trägt jeder Arbeitgeber die Verantwortung für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer. Sie haben diesbezüglich für alle Aspekte, die die Arbeit betreffen, zu sorgen. Auf einer Baustelle haben zudem alle Arbeitgeber die allgemeine Verpflichtung, durch entsprechende Koordination der Arbeiten für die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer zu sorgen. Um das Sicherheitsniveau auf den Baustellen darüber hinaus zu erhöhen, führen die Baufirmen in den großen Baulosen Sicherheitstage durch. Im Rahmen dieser Tage werden den Arbeitnehmern wesentliche sicherheitsrelevante Inhalte vermittelt und Schwerpunkte in Bezug auf die Sicherheit gesetzt. Alle auf der Baustelle tätigen Arbeitnehmer – auch jene der Dienstleister und die Büroangestellten – sind angehalten, daran teilzunehmen.
Inwieweit hat die italienisch-österreichische Partnerschaft zur Entwicklung gemeinsamer Protokolle für das Notfallmanagement und die Arbeitssicherheit beigetragen?
Im Zuge des bereits erfolgten Durchschlags des Erkundungsstollens zwischen Italien und Österreich sowie der in den nächsten Monaten geplanten Durchschläge der Haupttunnelröhren finden länderübergreifende Abstimmungen zum Notfallmanagement statt. Dabei sind die von der BBT SE am Brenner Basistunnel beschäftigten Baufirmen südlich und nördlich des Brenners, die für die Sicherheit zuständigen Stellen der Provinz Bozen und des Landes Tirol sowie die Vertreter der Blaulichtorganisationen aus beiden Ländern eingebunden.
Sicherheit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis exzellenter Zusammenarbeit. Wir danken Andreas Töchterle für diese Einblicke. Durch die Abstimmung zwischen Projektleitung, Unternehmen und Behörden stellen wir sicher, dass Prävention und Notfallmanagement beim Projekt Brenner Basistunnel Hand in Hand gehen, um so für ein sicheres Arbeitsumfeld auf beiden Seiten des Brenners zu sorgen.