Bei unserem Projekt spielt der respektvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen eine wesentliche Rolle, damit Umwelt und Bauarbeiten nebeneinander bestehen können. Auf unserem Projektgebiet werden die Wasserressourcen bereits seit dem Jahr 2001 durch mittlerweile 1.150 Messstellen auf einer Fläche von über 600 km2 kontrolliert. Wie der Prozess läuft, u.a. erklärt uns unser Kollege Georg Orsi.
Wie ist das Monitoringsystem organisiert und wie wird es umgesetzt? Wie werden die Messungen durchgeführt und wer analysiert sie?
Alle Messstellen im grenzübergreifenden Projektgebiet werden mindestens 1x monatlich gemessen. Damit erhalten wir einen guten Überblick der natürlichen Gegebenheiten und erfassen die jahreszeitlichen Schwankungen mit geringen und hohen Wasserständen. Damit die Daten auch vergleichbar sind, erfolgen diese Messungen im gesamten Projektgebiet innerhalb weniger Tage.
Dazu sind gleichzeitig mehrere Messtrupps bei jedem Wetter, ob Sonne oder Regen, im Einsatz.
Gemessen werden unterschiedliche Wasserressourcen wie Quellen, Bäche, Brunnen, Grundwassermessstellen, Seen und Niederschlagsmessstellen.
Im Bereich von Bautätigkeiten werden zudem wöchentliche Messungen durchgeführt, um mögliche Beeinflussungen durch den Vortrieb zu erkennen und zu überprüfen.
Wichtige Messstellen sind mit einem Datensammler ausgestattet, die automatisch kontinuierliche Messungen durchführen. Diese Messdaten können auch per Fernübertragung direkt „zum Schreibtisch” übertragen werden.
Zudem werden mindesten 2x jährlich, im Nahbereich der Bautätigkeiten sogar monatlich, chemische und auch bakteriologische Wasserproben an den Messstellen genommen und in einem Labor analysiert.
Nachdem alle Messdaten auf Plausibilität geprüft wurden, werden sie in einer Datenbank erfasst und für die behördlichen Aufsichtsorgane in Berichten dargestellt.
Da Änderungen einer Wasserressource wie Schüttungsrückgänge bei Quellen oder ein geringer Grundwasserstand auch natürlich bedingt sein können, z.B. durch Trockenperioden oder schneearme Winter, ist eine langjährige Messreihe, die bereits vor dem Bau beginnt, wichtig. Bei der wasserwirtschaftlichen Beweissicherung dieses Projektes haben wir schon 2001 mit den ersten Messungen an ausgewählten öffentlichen Gemeindequellen begonnen. Dahingehend liegt eine sehr gute Datenqualität vor.
Die Beweissicherung wird nach dem Vortriebsende noch für einen Nachsorgezeitraum weiter fortgeführt, um auch eventuelle langfristige Veränderungen durch die Bauarbeiten zu erkennen.
Wie wichtig ist die Beziehung zu den Institutionen und lokalen Behörden?
Auch bei solchen Tätigkeiten ist die Beziehung zur lokalen Bevölkerung (Grundstücksbesitzer, Quelleigentümer) und zu den österreichischen und italienischen Behörden sehr wichtig.
Zum einen erfolgt die Beweissicherung im engen Austausch mit den wasserrechtlichen Bauaufsichten.
Zum anderen werden Änderungen (z.B. die Schüttung bei Quellen), die sich unabhängig von den Baumaßnahmen, auch aus natürlichen oder technischen Prozessen ergeben können, an die Eigentümer gemeldet, damit diese informiert sind und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen können. Die Quelleigentümer können Ihre Messdaten auch bei uns abfragen, um sich selbst ein Bild der Situation zu machen.
Durch die Messungen in den abgelegenen Seitentälern wurden schon einige unerwartete Bekanntschaften gemacht, das macht die Arbeit besonders spannend.
Vor welche Herausforderungen steht ihr bei eurer Arbeit?
Das Projektgebiet erstreckt sich vom Talboden bis hinauf ins hochalpine Gelände. Auch liegen einige Messstellen sehr exponiert am Berg und sind nur zu Fuß erreichbar.
Dahingehend gestalten sich die Messrunden im Sommer als angenehme Wanderungen, im Winter sind Messstellen allerdings nur mit Ski und viel Fleiß und Schweis zu erreichen.
Auch Kälteeinbrüchen mit 2-stelligen Minusgraden, wie es Anfang Jänner 2026 der Fall war, müssen sich die Messtrupps stellen – dabei werden Messstellen auch schon mal von Schnee geräumt und enteist, um die Messung durchführen zu können.
Daher sind die logistische Organisation und die Evaluierung der Gefahren sehr wichtig. Nicht umsonst wurde eigens für die Beweissicherung ein Lawinen-Sicherheitsmanagement eingerichtet, damit die Messtrupps auch im Winter sicher arbeiten können.