Die Neue Brennerbahn -
Lebensraum und Verkehrswege


Der Brennerkorridor ist seit jeher ein begehrter Verkehrsweg. Mehr als 50 Millionen Nettotonnen an Gütern werden derzeit pro Jahr über diesen Alpenpass transportiert. Insgesamt über 7 Millionen Fahrzeuge – davon mehr als zwei Millionen Schwerfahrzeuge -  fahren jährlich über den Brenner. Welche Auswirkungen hat dieser Verkehr aber auf den Lebensraum? Der Lebensraum der Alpentäler muss bewahrt werden. Zur Vermeidung des Verkehrs, zur Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene und zu einer besseren Organisation der Verkehrsströme müssen daher konkrete Maßnahmen getroffen werden.

Entlang des Alpenbogens soll aus diesem Grund der Schwerverkehr auf der Schiene abgewickelt werden, wo möglich unterirdisch. Derzeit werden zwei neue unterirdische Eisenbahnverbindungen in der Schweiz gebaut: Der Lötschberg Basistunnel ging im Dezember 2007 in Betrieb,  der Gotthard Basistunnel wird voraussichtlich im Jahr 2017 eröffnet werden. Der Lebensraum in den engen Bergtälern des Unterinntales, des Wipptales und des Eisacktales muss bewahrt und das derzeitige Verkehrsaufkommen verändert werden. 

Die Maßnahmen zur Bewältigung dieses Problems können grob in folgende Pakete unterteilt werden:

  • Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene
    • Bau der Neuen Brennerbahn mit dem Brenner Basistunne
    • Internalisierung der externen Kosten und homogene Mautgestaltung im Alpenboge
    • Organisation des Güterverkehrs im Korridor zwischen München und Veron
  • Attraktivierung und Ausbau des Öffentlichen Personenverkehrs
  • Einsatz von schadstoffarmen Fahrzeugen, effizientes Management der Verkehrssysteme

Einen besonders hohen Stellenwert hat hierbei die Verlagerung des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene. Dazu sind rahmenpolitische Veränderungen mittels einer homogenen Gestaltung der Maut im Verkehrskorridor von München bis Verona und über den Alpenraum notwendig. Eine effiziente neue Eisenbahn mit dem Brenner Basistunnel und den entsprechenden Zulaufstrecken ermöglicht die Verlagerung des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene. Notwendig sind, zusätzlich zur Neuen Brennerbahn aber auch die Umschlagterminals entlang der Strecke.

Um einerseits die bestehende Eisenbahntrasse zu optimierten und andererseits die untereinander abgestimmten Rahmenbedingungen für die Verlagerung des Warenverkehrs realisieren zu können, wurde im Frühjahr 2007 die „Brenner Korridor Plattform“ geschaffen.  Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe, fünf Regionen und drei Eisenbahngesellschaften entlang der Strecke München-Verona, möchten in einer effizienten Art und Weise diese Themen vorantreiben.

Der Brenner Basistunnel mit einer Länge von 55 km besteht aus zwei eingleisigen Haupttunnelröhren und einem unterhalb dieser Trasse verlaufenden Erkundungsstollen. Dieser Stollen dient hauptsächlich geologischen Untersuchungen, deren Ergebnisse in die Planung der Haupttunnelröhren einfließen sollen. Die 70 Meter auseinander liegenden Haupttunnelröhren werden alle 333 Meter durch begehbare Stollen, sogenannte „Querschläge“ miteinander verbunden. Die Trasse des Brenner Basistunnels bindet in die bestehende Güterzugumfahrung Innsbruck sowie in die bestehenden Anlagen der Bahnhöfe Innsbruck und Franzensfeste ein. Im Tunnel werden drei Multifunktionsstellen (Innsbruck, St. Jodok und Trens) errichtet.  

Das thermische Energiepotential von Bergwasser und Luft wurde hinsichtlich einer allfälligen Nutzung untersucht. Aus der bisherigen Analyse können die folgenden Schlussfolgerungen abgeleitet werden:
Die Nutzungsmöglichkeiten der Tunnelluft sind begrenzt. Das Bergwasser hingegen weist einen höheren nutzbaren Energiegehalt auf. Die nutzbare Wärmeleistung hängt davon ab, auf welche Temperatur das Bergwasser abgekühlt werden kann. Beim Portal Innsbruck beträgt die berechnete Wärmeleistung 6 bzw. 12 MW für eine Abkühlung des Bergwassers auf 14 bzw. 8°C. Die Nutzung der oben angegebenen Wärmeleistung hängt in Folge vom Wärmebedarf potentieller Abnehmer und dem Aufwand der Anlagen im Zusammenhang mit der Wärmegewinnung ab.

Das Projekt Brenner Basistunnel wurde Ende April 2008 in Österreich und Italien zur Genehmigung vorgelegt. Bis Ende 2008 sollen die Genehmigungsverfahren in beiden Staaten abgeschlossen sein, sodass der Baubescheid folgen kann. Dann könnte spätestens 2010 mit dem Bau der Haupttunnelröhren begonnen und 2020/22 der Betrieb aufgenommen werden. Die Betriebsleitzentrale des Tunnels wird sich in Innsbruck befinden. Damit können effiziente Synergieeffekte erzielt werden, da neben der neuen Bahnlinie des Unterinntals und der Strecke durch den Brenner Basistunnel auch die Bestandsanlagen der ÖBB gesteuert werden.

Eine langfristige Verlagerung des Schwerverkehrs kann nur mit einer funktionstüchtigen, möglichst unterirdisch verlaufenden, Bahnverbindung und den entsprechenden Rahmenbedingungen erfolgen. Der Brenner Basistunnel mit den südlichen und nördlichen Zulaufstrecken ist der einzig vernünftige Lösungsweg. Damit kann längerfristig der Lebensraum in diesen durch den Schwerverkehr beeinträchtigten Tälern verbessert und auch für die nächsten Generationen erhalten werden.

 
 Mit Beteiligung der Europäischen Union aus dem Haushalt der Transeuropäischen Verkehrsnetze Transport (TEN-T) finanziertes Vorhaben.


 

Aktuelle Baustellen

 

BBT-Tunnelsystem

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